Die Familien:
werden auch auf dem Gebiet der Hygiene und Gesundheitsvorsorge unterrichtet. Es finden regelmäßig Workshops über Erziehung, Familienrecht, etc. statt.
 
"Cynthia Espinoza" ist eine große Familie, in der Kinder, Eltern und Mitarbeiter vereint sind und sich zugehörig und verantwortlich fühlen. Viele der Väter und Mütter helfen in ihrer Freizeit bei Reparaturen, Putz- und Küchenarbeiten, beim Duschen der Kinder und einige opfern sogar ihr Wochenende um die Räume der Tagesstätte zu streichen.

Die Müttergruppe:
Die Tagesstätte ist nicht nur für die Kinder ein Hort der Ruhe und Geborgenheit, auch viele Mütter finden hier Trost, Rat und Hilfe. Einmal wöchentlich trifft sich die Müttergruppe im Kindergarten. Dort gibt es Gelegenheit, viel Neues zu lernen. Es wird genäht, gestrickt, gebastelt, alles Dinge, die für den Haushalt bestimmt sind. Man probiert neue Kochrezepte und bekommt Informationen über Fragen der Gesundheit, Hygiene, Familie, Rechte der Frauen etc. Gleichzeitig ist ein Arzt im Kindergarten, den die Mütter mit Ihren Kindern konsultieren können.

Wichtig ist es für die Mütter, daß sie sich hier mit Gleichgesinnten treffen und untereinander über Probleme des Alltags sprechen können. Eine Psychologin, die auch die zweite Landessprache Guaraní beherrscht, berät die Mütter in Gruppen- oder Einzelgesprächen.

Trotz der vielen Probleme haben die Frauen ihren Humor nicht verloren. In der Mütterstunden wird auch viel gelacht. Immer wieder findet man einen kleinen Anlass, ein kleines Fest zu feiern, sei es nun der Muttertag, "San Juan" (Johannisfest) mit lustigen Spielen und typischen Gerichten, der "Tag des Kindes" oder Weihnachten. Dann organisieren die Mütter zusammen mit den Kindergärtnerinnen die Dekorationen, üben Spiele und Lieder ein, bringen etwas zum Essen mit, spielen, tanzen und freuen sich mit den Kindern. Für größere Festlichkeiten arbeitet man lange im voraus. Durch den Verkauf von selbstgefertigten Handarbeiten, von Essen oder Altkleidern kommt Geld zusammen, mit dem man z.B. zum Jahresende für jedes Kind ein kleines Geschenk gekauft werden kann und ein schönes Fest finanziert werden kann.

Wichtig ist auch, daß die Mütter in der Tagesstätte Verantwortung übernehmen. Sie müssen einen kleinen Monatsbeitrag zahlen, und diejenigen, die Zeit haben, sollen bereit sein, mal bei den täglichen Arbeiten wie Saubermachen, Gartenpflege oder Gemüseputzen zu helfen. So gehört die "Guarderia Cynthia Espinoza" nicht nur den Kindern sondern auch den Müttern.

Schicksale
Jede Mutter, jede Familie hat ihr Schicksal. Eine junge Mutter kommt mühsam auf zwei Krücken in den Kindergarten gehumpelt. Seit ihrer Jugend leidet sie an einer Osteomyelitis des Femurs, es besteht keine Hoffnung auf Besserung. Sie ist Arbeitslos. Vorher verdiente sie sich durch Näharbeiten etwas Geld, musste aber ihre Nähmaschine verkaufen. In der Tagesstätte kann sie eine der drei Nähmaschinen benutzen.

Eine andere Frau, Maxima, ist eine der aktivsten im Kindergarten. Sie ist auch eine der Wortführerinnen unter den Frauen. Zu Hause hat sie es schwer. Ihr Lebensgefährte bedrohte und misshandelte sie und ihre 3 Kinder, auch heute ist sie vor seinen Angriffen nicht sicher.

Unter Gewaltanwendung und sexuellem Missbrauch in den Familien haben viele Frauen und Kinder zu leiden. Die meisten wissen keinen Ausweg aus der Misere. Viele schämen sich, und es dauert eine Zeit, bis sie sich in der Mütterstunde der Psychologin oder einer der Lehrerinnen anvertrauten.